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THEMA: Lyrik mit Humor...

Lyrik mit Humor... 05 Nov 2019 12:36 #76

Erweiterung des Lyrikthemas.

N E U

jetzt mit Romantik pur!


Die blaue Blume

Ich suche die blaue Blume,
Ich suche und finde sie nie,
Mir träumt, dass in der Blume
Mein gutes Glück mir blüh.

Ich wandre mit meiner Harfe
Durch Länder, Städt und Au'n,
Ob nirgends in der Runde
Die blaue Blume zu schaun.

Ich wandre schon seit lange,
Hab lang gehofft, vertraut,
Doch ach, noch nirgends hab ich
Die blaue Blum geschaut.

Joseph von Eichendorff
(1818)



PS
Es darf/kann hier weitergedichtet werden, d.h. man kann weiterdichten lassen.
Oder es kann z.B. gesungen, erzählt werden.

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Letzte Änderung: von carmen.

Lyrik mit Humor... 06 Nov 2019 10:49 #77

Die Herbstzeitlose

Einst brachte unser'n Planeten
Die Eiszeit in grosse Not,
Es ging alles Leben flöten,
Jahrtausende lang blieb's tot.

Dann sandte der Herr den Frühling
Erbarmungsvoll hinab,
Er sollte das Leben wecken
Aus tausendjährigem Grab.

Der schlug mit Himmelskräften
Die Gletscher auf das Haupt
Und machte grün die Gebirge
Und alles neu belaubt.

Er schlug mit dem Stab die Erde
Und hiess die Blumen erstehn,
Die vor der Eiszeit waren,
Dieweilen er zählte zehn.

Da kamen sie aufgeschossen
Viel Hunderte an der Zahl
Und wuchsen zu Millionen
In Au und Wald und Tal.

Und nochmals schlug er die Erde
Und mahnend war sein Ruf:
"Es fehlt noch eine von allen,
Die Gott, der Herr, erschuf!"

Da kam ein verdriesslich Murren
Aus tiefem Wiesengrund
Und dann ein spöttisches Lachen
Von elfenzartem Mund:

"Ich folge dir nicht, Herr Frühling,
Zu lange harrt' ich auf dich,
Die ganze schreckliche Eiszeit.
Jetzt warte du auf mich!"

Wohl schwang der Frühling sich klagend
Zu Gottes Thron empor,
Wohl schalt auch dieser die Blume,
Doch bleib sie taub wie zuvor.

Sie schloss in die dunkle Kammer
Der Erde sich trotzig ein,
Obwohl ihr Herzchen verlangte
Nach Licht und Sonnenschein.

Doch endlich nach vielen Monden, -
Sie hielt es nicht länger aus, -
Streckte sie neubegierig
Ihr kleines Köpfchen heraus.

"Was wohl der Frühling machet,
Und ob er noch schaut nach mir?- "
Da war er über die Berge
Mit aller Blumenzier.

Die Welt war kalt und neblig,
Es wehte ein rauher Wind,
Der sang gar traurige Lieder
Dem frierenden Elfenkind.

Von Frühlings zärtlicher Liebe,
Von Frühlings Sehnsucht und Leid,
Und von der Liebe Ende
Und der Blume Verächtlichkeit.

Er sang von dem zornigen Schwure,
Den jener Hehre getan:
"Nie mehr will ich sie sehen!
Sie blühe im Herbst fortan."

Da weinte sie bittre Tränen,
Ach Tränen ohne Trost,
Eisperlen auf die Wiese
Und starb in Schnee und Frost.

Wer kennt nicht die zarte Jungfer
Im Lilatrauergewand,
Die seitdem frierend blühet
Auf herbstlich verödetem Land!

(Emerenz Meier 1874-1928, deutsche Schriftstellerin)

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Letzte Änderung: von carmen.

Lyrik mit Humor... 07 Nov 2019 09:08 #78

Noch ein bisschen Herbstzeitlosen-Romantik.


Hinfällig, wie die Erinnerungen,
Stehen Herbstzeitlosen im nassen Gras
Und sprechen von Lieb' mit zerbrechlichen Zungen.
Noch ein Schmetterling über die Schulter mir flog,
War ein Gedanke, der bei dir Honig sog.
Den Bäumen fallen die Blätter aus,
Und wimmernde Stimmen wollen ins Haus,
Wo herbstlos dein Herz in Liebe thront,
Wie des Hauses Herd von Flammen bewohnt.

Max Dauthendey (1867-1918)

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Letzte Änderung: von carmen.

Lyrik mit Humor... 09 Nov 2019 12:50 #79

Lyrik mit Humor und Musik (gibt es was Schöneres?).

Reinhard Mey




Und deshalb - nichts wie raus... mit Schirm ... und ... und mitohne Melone.

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Letzte Änderung: von carmen.

Lyrik mit Humor... 09 Nov 2019 16:07 #80

Also - ich war draußen … an einem grauen Novembertag, ohne fallende Blätter - im Straßencafé - nach einem halbstündigen Marsch ...

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Lyrik mit Humor... 09 Nov 2019 16:15 #81

Auch ich war draussen - ohne Schirm, denn die Sonne lächelte. Kaffee gab's keinen - aber im Lädeli gab's Schoggi mit Nüssli :P

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Lyrik mit Humor... 10 Nov 2019 10:44 #82

Der Humor

Humor ist sozusagen unser Senf des Lebens.
Er macht ein Stücklein trocken Brot zum Leibgericht.
Wer ihn nicht selbst besitzt, der hamstert ihn vergebens,
so hat man ihn entweder – oder hat ihn nicht.

Humor ist schwierig oder gar nicht zu ergründen.
Er ist stets taktvoll, niemals vorlaut und nicht spitz.
Humor ist zu erleben und nicht zu erfinden,
im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder Witz.

Humor ist unser Freund in allen Lebenslagen,
weil er dem Herz entspringt und nicht dem Intellekt.
Man kann zum Beispiel mit Humor die Wahrheit sagen,
so daß sie uns bekommt und halb so bitter schmeckt.

Humor blüht auch an kühlen Dauerregentagen
und stimmt uns fröhlich, wenn es noch so schaurig ist.
Ja, mit Humor läßt sich sogar ein Humorist ertragen,
und wenn er wirklich noch so traurig ist.


Fred Endrikat (1890 - 1942), deutscher Kohlenpott-Dichter und Bänkelsänger

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Letzte Änderung: von carmen.

Lyrik mit Humor... 10 Nov 2019 12:50 #83



Im Straßencafé


Ein Gedicht von Klaus-Jürgen Langner


Bei einem Glas Wein und ein paar Delikatessen

Saß ich im Straßencafé mit meinem Freund beim Essen

Die Sonne schien, es war frühlingswarm

Da kam ein Mann mit nur einem Arm

Und der sprach mit meinem Freund ganz leise

In einer sehr unauffälligen Weise.
.
Was hat denn der gewollt fragte ich darauf ganz salopp?

Ach, der suchte nur einen Secondhand - Shop!




Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren für private Zwecke frei verwendet werden.

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Letzte Änderung: von Kaninchen.

Lyrik mit Humor... 12 Nov 2019 16:29 #84

Bitte, etwas Zeit mitbringen

Ulrich Roski


Des Pudels Kern

Ich geh im Walde bisweilen so für mich hin,
Nach schmackhaften Pilzen steht mir der Sinn.
Schon ihre seltsamen Namen faszinieren mich,
So wie Schlonz oder Mulmiger Knöterich.

Dabei genieß ich auch noch die Waldesruh …
Bei alledem lief mir jüngst ein Zwergpudel zu.
Ich muß gestehn, obwohl das eher gegen mich spricht:
Kinder und Kleintiere liegen mir nicht.

Und dieser Pudel war wirklich lächerlich klein,
„Hau ab!“ rief ich, doch er wich mir nicht vom Bein.
Und weil ich ihn doch irgendwie witzig fand,
Hab ich ihn feierlich „Tarzan“ genannt.

Ich dachte: „Heute Abend gibts Pilzragout,
Vielleicht reißt mir der Pudel einen Hirsch dazu.“
Schon vernahm ich ein gewisses Rascheln im Gras,
Mutmaßte ein Wildbret und rief: „Tarzan, faß!“

Es war kein Hirsch, es war ein Jäger im grünen Gewand,
An dem sich allerlei Blattwerk befand.
Sein Hut war merkwürdigerweise aus Stahl;
Bald kamen auch seine Kollegen, in stattlicher Zahl.

Immer mehr grüne Jungs brachen durch das Geäst,
Die sahen alle gleich aus, ich dachte: „Hier ist wohl‘n Nest!“
Sie waren schwer bewaffnet, und ich hab mich gefragt,
Seit wann man Hasen mit Maschinenpistolen jagt.

Dann kroch einer aus dem Dickicht heraus,
Der sah wie der Oberjäger aus,
Voller Würde, wie's einem Anführer frommt.
Ich rief: „Tarzan, Ast weg, der Förster kommt!“

Ich begrüßte ihn zünftig mit: „Waidmannslust!“
Doch er schrie: „Tun Sie nicht so, als hab'n sie nicht gewußt,
Daß hier Manöver ist, also nennen Sie a) einen Grund
Für Ihr Dasein und b) begründen Sie den Hund!“

„Herr Förster, ich versteh Sie, Sie tun ja auch nur Ihre Pflicht;
Also a) Ich suche Pilze und b) Ich kenne den Pudel nicht.“
„Aha, kenn‘ Sie nicht, ham‘ Sie wohl vorher nie gesehn,
Wie? Die Masche kenn‘ wir. Alle Mann ins Glied, wir gehn!“

„Welches Glied?“ frage ich, doch er donnert nur barsch:
„Ich stelle die Fragen, also vorwärts, Marsch!“

Die Grünen stell'n sich wirklich auf in Reih und Glied;
Ich frag einen von ihnen, als uns der Förster nicht sieht,
Was denn des Laub an ihren Klamotten soll?
Darauf antwortet er mir geheimnisvoll:

„Wenn wir so mit den Blättern im Unterholz stehn,
Kann der Feind uns im Wald überhaupt nicht sehn,
Und weil er uns alle für Büsche hält,
Tappt er in die Falle und schon ist er umstellt.“

Ich lache herzlich, dann seh ich am Wegesrand
Ein paar Pilze und hab sie schon fast in der Hand,
Als mich eine Stimme laut „Vorsicht!“ warnt,
„Das sind welche von uns, als Morcheln getarnt!“

Wir marschieren weiter und kommen sehr schnell
Zu einem großen Gebäude, wie es scheint ein Hotel;
Denn die Angestellten in diesem Haus
Sehn wie frisch gebadete Liftboys aus.

Sie bringen uns zu einem Herrn in schmucker Livree,
Ich such nach Trinkgeld, weil ich denk, das ist der Portier.
Der Förster zischt: „Sie spinn' wohl, das ist der Major!“
Und stellt uns dem geschniegelten Herren vor:

„Streun'nder Pudl und verdächt'che Person.“
Der Major sagt scheißfreundlich: „Nimm Platz, mein Sohn!“
Ich nehm an, dass er glaubt, dass ich ihn jetzt Papi nenn,
Frag aber nur: „Hoppla Kumpel, seit wann duzen wir uns denn?“

Da raunzt er: „Auch noch frech werden, wie?
Also raus mit der Sprache: Was ist mit dem Vieh?
Ihr schnüffelt hier rum, da ist doch was faul!“
Der Pudel knurrt und ich sag: „Tarzan, halt's Maul!“

Tarzan, des klingt wie ein Codewort, der Major hört so was gern.
Er triumphiert: „Ein feindlicher Agent, jawoll, das ist des Pudels Kern!“

Er ruft sein Ministerium an, weil er denkt,
Er hat den Spionagering "Tarzan" gesprengt.
Und während der Major noch telefoniert,
Wird der Pudel gefesselt und abgeführt.

Dann redet er wieder auf mich ein,
Wer meine Hintermänner und Drahtzieher sei‘n:
„Nenn' sie ein paar Namen, das ist doch nicht schwer.“
Ich denk „Nö“ und sag ein paar Pilznamen her:

Nenn den Ruppigen Stiesel, den Scheuen Kalmück
Den Nonnenschwengel, den Sämigen Lück,
Den Schleimigen Widerling und zum Schluss
Die Stinkmorchel, Phallus Impudicus.

Der Major notiert sich die Namen und flucht,
Weil er die Burschen vergeblich im Fahndungsbuch sucht.
Um Zeit zu gewinnen, nimmt er auch mich in Arrest.
Der Raum ist schön dunkel und bald schlafe ich fest.

Mir träumt von einem Scharmützel im Wald,
Von einer Schlacht gegen Pilze, es donnert und knallt.
Ich selbst bin der Feldherr und rufe im Traum:
„Seid nicht feige, Leute! Laßt mich hinter'n Baum!“

Dann werd ich geweckt und zum Major geführt,
Der hat unterdessen meinen Pudel dressiert.
Er macht Männchen, holt das Stöckchen und kuscht –
Kurzum, sein Charakter ist völlig verpfuscht.

„Ihr Hund“, sagt der Major, „macht sich ganz gut.“
„Tja“, denk ich, „hat schon Manier'n wie ein Rekrut.“
Er fährt fort: „Der Verdacht hat sich übrigens zerstreut,
Sie könn' gehn, junger Mann, hat mich sehr gefreut.“

„Mich nicht“, sag ich herzlich und ruf „Tarzan, wir gehn!“
Doch ich seh nur einen begossenen Pudel dastehn,
Der nicht mit mir gehen will, mir liegt auch nichts dran,
Weil ich Hunde eigentlich sowieso nicht leiden kann.

Seit damals läßt der Wald mich kalt, ich sitze lieber in der Diskothek,
Ich ess‘ Pilze aus der Dose und geh Zwergpudeln aus dem Weg.

[Ulrich Roski: Des Pudels Kern. Telefunken 1974.]


Bild Quelle praxistipps.s3.amazonaws.com_des-pudels-kern-foto-pixabay-

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