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THEMA: Ein Rundgang im und ums Rathaus in Bern

Ein Rundgang im und ums Rathaus in Bern 13 Dez 2018 22:53 #1

Winterlich kalt, aber sonnig war der Tag, an dem der Bär-Höck vor dem Rathaus "demonstrierte". Nein, es gab natürlich nichts zu reklamieren; es tagte kein Rat, weder der kleine noch der grosse, noch Stadt- oder Kantons- oder Bundesrat, auch nicht die Synode der Evang.Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn. Wir hatten es ganz allein für uns!



Vor dem Vennerbrunnen auf dem Rathausplatz besammelte sich die Schar von 20 Teilnehmenden; der Leiter des Rundgangs, Herr Meier, begrüsste uns zu diesem Anlass, der durch die Organisation StattLand angeboten wird. Es gibt diesen Verein schon seit 1990.
"Wer im Rathaus das Sagen hat und warum die Bären aus Bern verschwinden. Wie Heirat Politik macht und wieso an Ostern die ganze Stadt aus dem Häuschen ist. Wer in Kriegszeiten das Rathaus umbaut und wo die Macht nach Holz riecht." Das sollten wir heute erfahren.



Und schon werden wir gestört. Wie per Zufall kommt so ein noch rüstiger Berner Handwerker daher und unterbricht den Erzähler, indem er lebhaft aus seiner Zeit von den Lebensbedingungen der Knechte, Handwerker, Mägde und deren Herren in den Häusern der Stadt berichet.



Wir wechseln dann den Standort in die Junkerengasse beim Münster, an dessen Stelle das erste Rathaus an der Kante zur Matte stand. Die Ratsherren fühlten sich aber dort nicht wohl; sie störten sich am Lärm von der Schiffländte her, wie uns der Erzähler weismachen will. Jedenfalls wollte man das neue Rathaus, das von 1406 bis 1415 im spätgotischem Stil erbaut wurde, auf der gegenüberliegenden Kante der Stadthalbinsel errichten, natürlich dem Selbstbewusstsein der damaligen regierenden Herrenschicht angepasst.



Etwas weiter unten an der Junkerengasse stehen wir vor dem Erlacherhof. Er wurde 1745 bis 1752 anstelle von zwei Häusern, von denen das eine (die Hoftstatt) einst der Familie Adrian I. von Bubenbergs gehört hatte, vermutlich von Albrecht Stürler für Hieronymus von Erlach errichtet. Da 1748 sowohl der mutmassliche Baumeister als auch der Bauherr starben, wurde der Bau in der Folge von dessen Sohn Albrecht Friedrich von Erlach vollendet. Wikipedia schreibt weiter, " nach dem Untergang des bernischen Patriziates im Jahr 1798 war er Hauptquartier des französischen Generals Guillaume-Marie-Anne Brune. In der Mediationszeit diente das Gebäude als Schulhaus für das Mattequartier und war danach bis 1831 Sitz der französischen Botschaft. Von 1848 bis 1857 waren hier die Amtsräume des Bundesrats untergebracht. Seither beherbergt der Erlacherhof Teile der Berner Gemeindeverwaltung wie Präsidialdirektion und Stadtkanzlei, sowie den Gemeinderatssaal und ist nicht zuletzt der Sitz des Berner Stadtpräsidenten."
Natürlich ist uns der Stapi wohlbekannt unter dem Namen eines der ältesten Patriziergeschlechter der Stadt. Ursprünglich aus Grafenried BE stammend, erhielt die Familie Graffenried um 1300 das Burgerrecht der Stadt Bern. Seit 1352 war die Familie im Kleinen Rat vertreten und gehörte damit zum Berner Patriziat.



Auch hier betritt ein Junker oder Söldner in Uniform der Zeit die Szene und berichtete uns, wie wichtig damals die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Familie, die Verdienste als Söldner in fremden Kriegsdiensten und als Mitglied der Bernburger war. Nicht Könige, sondern die Landherren des Stadtstaates Bern regierten über ihre Ländereien, die sich übrigens damals bis zum Bodensee hin erstreckten. Da erstaunt es nicht, dass wir heute die palastartigen Bauten in der Altstadt noch vorfinden.



Als einziges Haus in der Berner Altstadt besitzt der Erlacherhof einen Ehrenhof, der zur Junkerngasse hin von einem prunkvollen Eisengitter abgeschlossen wird. Hier steht jetzt einer der grösseren Weihnachtsbäume, die jeweils in der Stadt aufgestellt werden.



Durch die Lauben der Junkerengasse bis zum Wegweiser zur Spysi, der Speiseanstalt der Unteren Stadt Bern, dann links in das obere Gerechtigkeitsgässchen, wo man im Winter fast unbemerkt zum Mittagessen in diese Volksverpflegungsanstalt schleichen konnte - und noch heute kann! - wechselten wir wiederum zum Rathaus hinüber.



Wer sich über die Zwecke und Preise in der Spysi erkundigen möchte - z.B. um einen nächsten Bäre-Höck zu organisieren, gehe auf die Webseite www.spysi.ch/ . Die Preise sind offenbar noch dieselben, wie damals im Mittelalter: Suppe und Brot Fr. 4.-!

Die Zeit ist um, die Zahl der Anhänge voll, ich muss morgen mit einem weiteren Beitrag zum Rathaus weiterfahren.
Bis dann, WillY

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Letzte Änderung: von WillY.

Ein Rundgang im und ums Rathaus in Bern 14 Dez 2018 11:28 #2

Wir stehen wieder vor dem Rathaus, das wie gesagt, der Stadt Bern und dem Kanton, aber auch anderen Behörden oder Institutionen dient.



Die Treppe wird eigentlich nicht mehr gebraucht. Der Aufstieg in den grossen Saal ist innen in der Halle.



Der Vennerbrunnen mit der Figur eines Fähnrichs. Söldner aus der Schweiz waren sehr gesucht und wurden offenbar gut bezahlt. Das ist fast so wie unsere heutigen Waffenexporte . . .



Hier in einem kleinen Höfli, eine Nische mit starker Gittertüre, besuchen wir die Staatstresore der damaligen Zeit. Sie sind leer, geplündert von den abziehenden Franzosen - samt den Bären, lebendig in Käfigwagen mitgenommen, wie eine Zeichnung zeigt, die der Erzähler uns präsentiert. Den Brunnen ziert eine kleine Hermes-Statue von Max Fueter, um 1942 geschaffen.



Gerne lassen wir uns jetzt an die Wärme einladen und treten durch eine kleine Nebentüre in die grosse Eingangshalle ein. Und da ist er schon, der Schauspieler, der unseren Rundgang szenisch begleitet. Er berichtet vom Ratsbetrieb und was sich sonst noch in diesen heiligen Hallen abspielt.



An der Decke sind uralte Balken auszumachen, die von Säulen mit z.T. behauenen Kapitellen gestützt werden.



Die Fenster gegen den Aareabhang enthalten die Wappenscheiben der Kantone in der Schweiz.



Dann geht's hinauf in die Wandelhalle. Eine solche gibt es ja auch im Bundeshaus. Es ist sozusagen der Pausenplatz, aber oft der Ort, wo die Meinungen gemacht werden in Gesprächen unter den Ratsmitgliedern selbst oder aber auch mit Besuchern, Lobbyisten, Gästen und Einflüsterern.



Wir schleichen uns durch eine kleine Türe in ein Treppenhaus, wo ich diese vier verglasten Fenster entdeckte. Noch jetzt sinniere ich über deren Motive. Jedenfalls meine ich zu erkennen, dass es sich um Frauenfiguren handeln müsste, die bekannterweise lange auf die Mitbestimmung in den Räten warten mussten. Hat man sie hier in diesem dunklen Treppenhaus etwa versteckt?

Sie hängen unmittelbar vor dem Regierungsratszimmer, also der Executive des Kantons mit den sieben Regierungsräten. Davon jedoch in einem weiteren Beitrag. Bis später
WillY

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Letzte Änderung: von WillY.

Ein Rundgang im und ums Rathaus in Bern 14 Dez 2018 12:07 #3

Im Regierungsratszimmer werden also die Beschlüsse gefasst, die dann vom Grossen Rat abgesegnet werden sollen. Da wird also heute regiert. Wir bringen es fertig, auf die Frage des Erzählers die Namen der sieben Gewählten zu nennen und er zeigt dann auf das Pult, das sie zugeteilt bekamen.



Die alte geschnitzte Decke erinnert an die prunkvolle Zeit des Baues und unterstreicht die Ehrwürdigkeit des Raumes und seiner Funktion. Dies wird auch unterstützt durch eine uralte Bibel (? bin mir nicht ganz sicher, ich wagte mich nicht, den Buchdeckel zu öffnen) auf dem Tisch.





Hilfreich ist heute aber eher ein Laptop, das praktisch jedem Ratsmitglied zur Verfügung gestellt wird. Ob sich Christian in seiner Rolle hier wohl fühlt?



Es sind nur ein paar Schritte, die uns vom Grossratssaal trennen. Und da verteilen wir uns in die Linken, die Mitte und die Rechten! Ja, die Parteien und ihre Mitglieder haben ihre fest zugeteilten Plätze.



Hier am Rednerpult werden dann die jeweiligen Vorträge gehalten, mehr oder weniger lebendig, oft auch belustigend, auch auf französisch. Das Pult kann neuerdings auf Knopfdruck höher oder niedrig eingestellt werden. Ein früherer Grossratspräsident, Werner Lüthi aus Münsingen (singt neben mir in der Kantorei) ist sicher einer der "höchsten" Magistraten gewesen. Er überragt mich, wenn er steht, um einen ganzen Kopf!

Oben auf der Zuschauertribühne funkt schon wieder stellvertretend unser Spielbegleiter ins Geschehen hinein und reklamiert die Einflussnahme des Volkes auf die Beratungen unten im Saal.



Er schreitet dann sogar ans Pult und trägt seine Meinung vor, die Ratsmitglieder sollten künftig durch das Los bestimmt und nicht ad personam gewählt werden. Er lässt dann auch gleich eine Abstimmung durchführen. Er erhält keine Unterstützung!



Aus dem Hintergrund eine Übersicht in den Saal. So sehen es die Dolmetscher in ihren Kabinen, aber auch die Pressevertreter mit ihrem gespitzten Bleistift - bzw. Mikrofon.

Wir beenden hier den Rundgang pünktlich und verabschieden Erzähler und Schauspieler von StattLand mit herzlichem Applaus und unserem Dank.



In der Stadt herrscht Weihnachtsstimmung. Mit dem Wunsch der Heilsarmee auf dem Topfständer, beende ich hier meinen Bericht, nicht ohne auch Erwin zu danken, der uns diesen informativen Nachmittag ermöglicht hat!

Die Garderobe ist danach wieder leer! Es ist kalt in Berns Gassen!



WillY

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Ein Rundgang im und ums Rathaus in Bern 14 Dez 2018 21:04 #4

Vielen Dank lieber WillY für deinen interessanten Bildbericht vom Berner Rathaus. Nun kann ich mir doch noch ein Bild davon machen. Der Schauspieler mit seinen Einsätzen ist gekonnt :cheer: finde ich eine gute Idee.

Schönes Wochenende und liebe Grüsse
kornblume

Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in die Menschen hineinhuschen kann.

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Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in die Menschen hineinhuschen kann.

Ein Rundgang im und ums Rathaus in Bern 14 Dez 2018 21:39 #5

Eine tolle Reportage von unseren Besuch im Berner Rathaus Willy, Kompliment!
Liebe Grüsse Hilde

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