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THEMA: Im früher geheimen KP "Heinrich" im Stollen

Im früher geheimen KP "Heinrich" im Stollen 23 Aug 2018 11:59 #1

Gestern, an einem weiteren heissen Sommertag, liessen sich ca. 20 interessierte Bäre-Höckler, davon sicher die Hälfte Frauen! von Andreas Kühner zum Kommandoposten "Heinrich" bei Hondrich verführen, in eine der Felskavernen, die während des 2. Weltkrieges von 1941 bis 1943 als eine von vielen Festungsanlagen, die für das Reduit beim Tor zum Oberland gebaut wurden.

Mit dem Nostalgiedampfschifff "Blüemlisalp" liess sich die Schar von Thun nach Spiez den kühlen Seewind um die Ohren wehen.



Ein Extrakurs des Postautos führte von der Ländte Spiez direkt zum Informama Hondrich und dem Beginn des kurzen, aber steilen Wanderweges zu den Anlagen im Hondrichberg. Peter, der Fuchs, fand den Einstieg!







Damals war das Gebiet noch nicht bewaldet. An dieser Stelle gab es einen Steinbruch. Die Stollen, zwei Eingänge und ein Fensterloch, wurden also von hier aus mittels Sprengungen in den Fels getrieben und der Abraum direkt in die Grube aufgeschüttet. Dies gab mit der Zeit eine Plattform, auf die mit einer mobilen Seilbahn das Material von der unten liegenden Zufahrtsstrasse hinauf in die Wand gehievt werden konnte.



Hans-Ueli Frei, der Präsident des Vereins Festung Heinrich, und ein Kollege führten uns ein in die Geschichte dieser, als einfache Beobachtungsstation konzipierte und dann zum Kommandoposten für die ganze Region im Raum Thun - Wimmis - Beatenberg ausgebaute Anlage.



Mit einer kurzen Präsentation im (noch) einigermassen warmen Aufenthaltsraum erläuterte Herr Frei mit Grafiken und Bildern die Situation und das Konzept des Reduits. Die Anlage wurde nach dem Kriegsende 1945 weiter geführt und von der Armee betrieben und unterhalten, eben im kalten Krieg und in der Verunsicherung der sich polarisierenden militärischen Bündnisse in West und Ost. Erst mit dem totalen Umbau der Armee 1995 wurden die meisten dieser unterirdischen Festungswerke aufgegeben. Ein privater Verein sichert ab 2007 die Erinnerung an eine unsichere Zeit, den Unterhalt der Anlage und führt an bestimmten Terminen Besuchergruppen durch die konstant etwa 10 Grad kalten Gänge und Räume.



Ein Beobachtungsposten verfügt nicht über Geschütze, aber über eine gut ausgebaute Funkanlage. Die Meldungen über Beobachtungen wurden im Kommandoposten von hohen Offizieren begutachtet, ausgewertet und ihre Entscheidungen und Befehle an die Geschützstellungen in der Umgebung per Funk weiter geleitet. Ein ausgeklügeltes System der Kommunikation also, als es noch kein GPS und kein Handy gab!



Wie bei diesen militärischen Anlagen üblich, wurden die Innenräume sorgfältig abgeschirmt von allfälligen Giftanschlägen von aussen. So besteht hier noch eine sog. Gas- oder Giftschleuse mit zwei dichten Türen mit Druckluftausgleich und sogar einer Dusche, um allfällige Kontamination mit der Haut abzuwaschen! Primitiv aber offenbar wirksam.





Einfach waren auch die Unterkunfts- und Aufenthaltsmöglichkeiten eingerichtet. Ich habe noch in Erinnerung, dass die Zahl von 80 Personen genannt wurde, die für den Betrieb des KP tätig gewesen sind. Aber immer nur ein Teil hatte vor Ort Dienst und war Tage oder Wochen im Stollen. Wie für "altgediente" Soldaten noch in guter Erinnerung, was alles recht spartanisch eingerichtet. Hier der Waschraum, mit Spiegeln! Und aussen im Gang die Aufhänger für den Waschplätz!

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Letzte Änderung: von WillY.

Im früher geheimen KP "Heinrich" im Stollen 23 Aug 2018 13:12 #2

Ja, die Kälte kroch von den Füssen hoch bis zum Kragen. Gut, hatten alle eine warme Jacke mit sich. Christian stülpte sich kurzerhand einen der zur Verfügung gestellten Militärmäntel (sog. Caput) über.



Hier ein Blick in die Küche; eigentlich alles, was das Militär für die Feldküche an Marial und Geschirr usw. sowieso zur Verfügung hat, ich bin sicher, auch heute noch!





Nur der Herd ist sicher neuern Datums und zweckmässig mitten im Raum aufgestellt. Ein Elektroherd übrigens! Vom Strom ist noch die Rede.



Ordnung muss sein.



Viele der Arbeitsräume sind ebenso spartanisch eingerichtet.



Und hier sind sogar die Arbeitsgeräte auf Standard getrimmt:



Drei HB-Bleistifte Nr. 2, 20 Reissnägel, zwei Radiergummis, . . . . ;-)



Über ein Einzelzimmer mit Lavavo und kaltes Wasser, Spind und Tisch hatten nur der Kommandant und sein Stellvertreter Anspruch. Alle anderen Offiziere, Uof. und die Mannschaft schliefen und verpflegten sich in Räumen bis zu 20 Personen, auf Kajütenbetten auf 2 oder sogar 3 Etagen. Andreas erwähnte, in Erinnerung noch das Schnarchen seiner Kollegen, alles Oberst im Rang, zu hören.



Wenigsten konnten die Uniformen im Gang über Nacht auslüften.



Ein Blick in die Elektrozentrale, wo im Verteilkasten noch Schraubsicherungen auszuwechseln waren. Auf der rechten Seite ist ein Notstromaggregat zur Verfügung, das mit Treibstoff läuft. Der Treibstoff wird ebenfalls im Stollen in Tanks gelagert. Heute sind diese allerdings leer und sauber gereinigt.

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Letzte Änderung: von WillY.

Im früher geheimen KP "Heinrich" im Stollen 23 Aug 2018 14:00 #3

Auch die Telephonie sieht aus wie im Museum. Heute wohl ein Ding der Unmöglichkeit.



Ein Relief zeigt die Verbindungen vom KP zu den einzelnen Stellungen im Aktionsraum auf. deren Schlagkraft und Reichweite. Hinten die Telefonzentrale wie anno dazumal.





Treppauf und Treppab führen Verbindungsgänge zu den vier Beobachtungsstationen in der Nord-West Wand des Hondrichberges.



Der Blick geht Richtung Thun - Aaretal.



Nur stehen heute halt Tannen und Bäume im Wege, die es damals offenbar noch nicht gab.



Zur Unterstützung dienten diverse Feldstecher oder hier ein sog. Scherenfernrohr, um die Distanzen zu messen.



Mich faszinierten die Felswände im Stollen mit ihrer Struktur und Farbe. An vielen Stellen sichert aber Wasser durch das Gestein und hinterlässt dann deutliche Spuren von Kalkablagerungen und Ansätzen von Stalagtiten! Wer weiss, wie diese "Höhlen" in 100 Jahren aussehen werden.



Zu guter Letzt kehrten die Besuchergruppen wieder in den - warmen - Aufenthaltsraum zurück. Andreas hatte für uns noch einige Informationen bereit, warum und wie der Entscheid zum Reduit zustande kam und welche Funktion dieses Konzept zu erfüllen hatte. Er beschreibt dies in einem Zeitungsartikel so:

"General Guisan setzte sich nach Beginn des 2. Weltkrieges mit der Strategie des Alpenréduits beim Bundesrat durch. Armeeführung und Regierung vertrauten darauf, dass unser Land sich mit den vorhandenen Mitteln einzig im Alpenraum als Nation würde behaupten können. . . . . Das bewusst eingegangene Risiko, im schlimmsten Fall weite Teile des Mittellandes und damit Städte, Dörfer, Wirtschaft und Menschen zu verlieren, ist ebenfalls aus der Sicht der seinerzeitigen Auffassung zu verstehen, dass eine Nation nur bestehen kann, wenn sie eine autonome Regierung mit Machtmitteln und Land behält."

Mit diesem kuzen Exkurs in militärische und geschichtliche Hintergründe - und einer engagierten Einladung von Andreas, sich dem Verein als Mitglied anzuschliessen, endete unser eindrückliche Einblick in das Leben im Berg. Wir mussten pünktlich aufbrechen zum fahrplanmässigen bereit stehenden Postauto, um zum verdienten Zvieriteller im Restaurant Wyler einkehren zu können.



Ja, sogar ich, bekannt als Langsamesser und Kleinportiönler, wurde rechtzeitig fertig mit dem ausnahmsweise ganzen Teller, den ich hier zum Schluss präsentiere.

Herzliches Danke an Andreas für das Organisieren und Christian für das Einkassieren ;-)
Es war spannend, in die Arbeit, den Chrampf und die spartanischen Mittel aber auch in die bedrohlichen Umstände Einblick zu erhalten. "Wer seine Herkunft nicht kennt, dem fehlen Massstäbe." Zitat von Hans-Ueli Frei, dem Präsidenten des Vereins.
Siehe auch www.festung-heinrich.ch/

WillY

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Letzte Änderung: von WillY.

Im früher geheimen KP "Heinrich" im Stollen 23 Aug 2018 14:58 #4

Danke Willy für diesen wie immer hochqualifizierten Bericht. Damit können auch die Daheimgebliebenen und die, welche in der Anmeldung den Hinweis auf die etwas beschwerliche Begehung übersehen haben, einen Eindruck mitnehmen.

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Im früher geheimen KP "Heinrich" im Stollen 23 Aug 2018 19:10 #5

Danke, Andreas, für dein Echo vom Hondrichbergli. Ich kann nur hoffen, keinen Mist berichtet zu haben. Einiges musste ich nachschlagen wie z.B. das Scherenfernrohr mit Periskop im Beobachtungsposten. Dank dem im Original grösseren Bild konnte ich die Anschrift auf dem Zettel lesen und so das Stichwort für die Suche finden. Erfreut bin ich, dass trotz des mehr oder weniger düsteren Lichtes die Aufnahmen recht gut gerieten und mit meinen klammen Fingern nicht verzittert sind :woohoo:

Den grössten Respekt und Eindruck aber hatte ich über die Arbeitsleistung der Bergmänner, die in den Tagen und Monaten des Ausbruchs das Material aus dem Fels sprengten. Da sind ja hunderte von Metern Stollen, die sie bohrten, sprengten, das Material abtransportiert und Teilstücke und Räume verschalt und zementiert hatten. Und dies nicht nur am Hondrichberg! Die Armee muss damals wie eine Herde Maulwürfe sich an die Arbeit gemacht haben. Mein Vater stand in dieser Zeit am Rhein bei Koblenz - und half mit bei der Verpflegung seines (und 20 Jahre später auch meines) Füs-Bat. 60!
WillY der Ex-SanitätsWM

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Im früher geheimen KP "Heinrich" im Stollen 23 Aug 2018 22:44 #6

Sind eigentlich alle Teilnehmer wieder aus dem Stollen herausgekommen oder irrt noch jemand im dunkeln Labyrinth herum? Es wurde so viel ich weiss, kein Apell gemacht. Vermisst habe ich Wengerd und seine Frau! So, wie er jeweils von seinen Abenteuern berichtet, würde man es ihm zutrauen, gell :woohoo:
Kann man aus dem Stollen mit dem Handy überhaupt einen Notruf absetzen?
WillY

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Im früher geheimen KP "Heinrich" im Stollen 23 Aug 2018 23:06 #7

Ja WillY, ich denke schon, dass alle, die drin waren, auch wieder heraus fanden. Die Wirtin im Spiezwiler hat jedenfalls nicht reklamiert sie hätte nicht alle Teller verteilen können. Und die Küche im KP sei ja auch betriebsbereit, wurde erklärt. Dort, wo Du den Osterhasen, wie wir Artilleristen das Scherenfernrohr nannten, fotografiert hast, kann man heute auch Handyempfang haben.

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Letzte Änderung: von Andreas.

Im früher geheimen KP "Heinrich" im Stollen 24 Aug 2018 09:19 #8

Ja Willy ganz diskret habe ich kontrolliert anhand meines Verzeichnisses, war deshalbn auch meistens der Letzte, nicht nur beim Einsteigen in Bahn oder Schiff. Gerd Wenger und Regula mussten sich kurzfristig, nämlich am Vorabend abmelden. Und obwohl ich einen schönen Teil der von Ihnen Vorbezalten Kosten aufwändig zurückgeholt habe, wollen Sie diesen Betrag ', annähernd Fr. 100.00 nicht zurück, sie spenden Ihn dem Bäre-Höck. Danke! Châpeau! Sehr grosszügig!

Gruss Christian

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Gruss Christian

Ausflug vom 22. August 2018 zu dem Festungswerk Hondrich 25 Aug 2018 13:41 #9

Bei herlichem Sommerwetter giengs mit der Bahn,dem Dampfschiff Blüemlere, und dem Postauto nach Hondrich.
Die Besichtigung mit interressanten Erklärungen war sehr eindrücklich.
Besonderen Dank gilt dem Initiator Andreas Kühner und userem unermüdlichen Christian Rupp für die Ausführungen und die Organisation.











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Letzte Änderung: von jipégé. Begründung: Leerzeile zwischen den Bildern eingefügt
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