ICON-Link

10.03.2019 -- Irène Frei / wv

Fête des Vignerons 2019

Organisiert von der Confrérie des Vignerons, findet dieses einzigartige Fest einmal pro Generation in der Stadt Vevey statt, vom 18. Juli bis 11. August 2019


 

Kürzlich erörterte in Bern  der oberste Chef , der “Abbé-Président de la Confrérie des Vignerons” von Vevey, André Margot, der die ganze Organisation der „Fête des Vignerons“ im nächsten Sommer orchestriert, wie dieses Fest eigentlich entstanden ist. Es ist nicht einfach ein Winzerfest im üblichen Sinn, wie es in manchen Weingegenden stattfindet, sondern eine lebendige Tradition, die seit 2016 zum „immaterielle Kulturgut“ der Unesco zählt.

Dass der Präsident dieser Gesellschaft sich noch „Abbé“ nennt, obwohl er weder Geistlicher noch katholisch ist, kommt davon, dass die „Confrérie des Vignerons de Vevey“ seit dem Mittelalter existiert, wo sie ursprünglich der „Abbaye de l’Agriculture de Vevey“ dite de „Saint Urbain“, ihr Schutzpatron , angehörte und nach der benediktinischen Devise „Ora et labora“ lebte:

1647 war die „Abbaye de l’Agriculture“ eine kleine Gesellschaft in der sich Mönche am Genfersee um den Weinbau und Ackerbau kümmerten. Schon damals organisierte die Bruderschaft jährlich einen Umzug, die „Parade“ durch die Stadt.

Vevey lebte, obschon damals an einer wichtigen Kreuzung europäischer Handelswege, im Rhythmus des Weinbaukalenders. Der fröhliche Umzug mit Trachten des Standes, Werkzeugen und Figürchen auf Holzstäben montiert tragend, war eine Hommage an die Winzer und Rebenarbeiter. Etwa jeder 10. Mann war im Rebbau beschäftigt; die Saläre wurden meistens in Wein, Most oder Trauben bezahlt. 

fevi2019 costumes2019 couleur centpourcent fredmerz fetedesvignerons

Im XVIII.Jahrhundert, wurde  der Umzug durch die Stadt üppiger und zu den üblichen Handwerkern in Trachten mit  ihren spezifischen Werkzeugen  gesellten sich Musiker und antike Figuren wie Bacchus oder Ceres, die Göttin der Ernten. Obschon die Reformation, durch die Berner Vögte eingeführt, ziemlich restriktiv in Sachen Vergnügungen war, wurde das Fest immer bunter und zog immer mehr Schaulustige an.

Gegen 1770 gab es einen Gesinnungswandel und der Rat der „Confrérie des Vignerons“ beschloss bei einer Generalversammlung, die Winzer und Rebenarbeiter zu belohnen, um sie zu ermutigen, ihre Rebberge noch besser zu bestellen. Die Confrérie war an sich nicht für praktische, berufsspezifische Fragen zuständig. Sie bestand vor allem aus Grundbesitzern, reichen Bürgern, Vögten aus Bern, etc…die jährlich in Vevey ihre Weinberge besuchten.

fevi 2019 affiche 2019 balmer hahlen fetedesvignerons

Preise wurden vergeben, wenn die Kassen der Brüderschaft es erlaubten, und die Winzer stolzierten damit in der Parade vorn mit dem Abbé-Président und den führenden Mitgliedern der Gesellschaft, gefolgt von Landarbeitern in Trachten, und mythischen Figuren.

Im Laufe der Jahre wurde das Fest immer raffinierter und berühmter. Es kamen immer mehr Zuschauer, sodass der damalige „Abbé-Président“ Louis Levade, eine neue Etappe in der Prozession einführte, nämlich die „Krönung“.

Dafür brauchte es einen auserwählten Platz, der so gross und zentral gelegen war, dass möglichst viele Leute der Solennität beiwohnen konnten. Der Marktplatz war dazu wie prädestiniert. So kam 1797 die Parade auf den grossen Festplatz, der eine Estrade mit 2000 Plätze aufwies und zum ersten Mal etwas kostete.

Es war ein Riesenerfolg. Die „Fête des Vignerons“ war geboren!

fevi 2019 2 1 700x455

Wegen der napoleonischen Kampagnen und der Waadtländischen Revolution, musste die Confrérie bis 1819 warten, um ein neues Fest  zu organisieren.  Aus der Parade wurde ein Riesenspektakel mit 730 Teilnehmern,  zum Lobe der neuen waadtländischen Gesinnung und zum ersten Mal auch mit Auftreten von freiburgischen „Armaillis“ (Sennen)  die ihre Verbundenheit mit den Winzern der Veveyse  würdigten. Sie halfen sich ja auch auf den Felder und den Reben gegenseitig aus. Seither ist der „ranz des vaches“ - eine uralte Hymne von Kuhhirten, die mit dem „Lioba“ in den Alpen ihre Kühe zum Melken anlockten - fester Bestandteil jedes Festes. Dafür werden lange im Voraus der beste oder die besten Sänger ausgesucht. Einer der berühmtesten war 1977 Bernard Romanens. In der diesjährigen Ausgabe ist es eine Gruppe von 11 Sängern.

fevi2019 armaillis 732 gourpe ext nicolasrighetti fetedesvignerons

Die Feste nahmen, sowohl 1833 wie 1855, durch den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmitteln mit Dampfschiffen auf dem See, die verschiedene Stationen anliefen, aber auch mit der Eisenbahn, die es erlaubte, Gäste aus ganz Europa nach Vevey zu bringen,  jedes Mal an Ausmass zu.

Schon 1865 waren es 10 000 Zuschauer, 1200 Statisten und Schauspieler. Nicht nur die Grösse des Anlasses sondern auch dessen Gestaltung und künstlerisches Niveau änderten sich. Während vorher die bekannten Volkslieder einfach arrangiert wurden, gab man nun Aufträge an Künstler, die Libretti neu zu komponierter Musik schrieben und bekannte Schauspieler zur Aufführung engagierten.

Ein erstes wirklich beeindruckendes Gesamtwerk entstand 1905 mit den Brüdern René (für das Libretto) und Jean (Maler) Morax, und dem Komponisten Gustav Doret. Es wurde eine wunderbare Hymne an das Land, das Generationen von Musiker prägen sollte. Die „Fête des Vignerons“  war „…wahrhaftig eine Zelebration des ganzen Volks, nicht nur um die Arbeit in den Reben zu würdigen, sondern auch an die grandiose Schönheit ihres Landes zu erinnern. Der Weg durch die Reben wurde zur Königsstrasse für eine ganze Bevölkerung, die, wie bei uralten Triumphen, stolz hinter den prachtvollen Wagen der Götter und den gekrönten Winzern herlief.“ (*René Morax, Histoire et mythes de la Fête des Vignerons, in Ch.Apothéloz Le Cep et la Rose.)

Nach solchem Triumph wurde befürchtet, dass weitere Feste, vor allem in schwierigeren Zeiten, enttäuschen könnten und es nicht einfach würde, Neues zu entwerfen. Zudem  brachte der 2.Weltkrieg auch  Veränderungen im Kulturleben mit Theater, Kino, Musik, etc… Die Confrérie musste alles neu überdenken. 1977 vollzog die „Confrérie“ eine Rückkehr zu den Ursprüngen dank dem Librettisten Henri Dubluë, der statt heidnische und antike Figuren, den christlichen Zusammenhang von Traube und Wein in seinem Entstehungsland wieder heraushob.

1999 wurden die Winzer zum Zentrum der Dramaturgie. Eine ganz einmalige „Krönungszeremonie“ wurde ihnen gewidmet. Etwa 200 Jahre also nach der ersten Aufführung, bot die Arena nun 16 000 Plätze und es defilierten 5000 Teilnehmer. Unterdessen braucht es etwa 10 Jahre um ein neues Fest vorzubereiten. Immer grandiosere Feste sind auch immer kostspieliger. Das erklärt auch  weshalb solche Feste nur fünfmal in einem Jahrhundert realisiert werden.

fevi2019 arene front hugogargiulo fetedesvignerons

Dieses Jahr wird eine noch  riesigere Arena, dessen Bühne bis auf den See hinausragt, etwa 20 0000 Zuschauer empfangen! Kosten wird das Fest ca. 100 Millionen, finanziert durch verschiedene Partner, Gesellschaften, Waadtländer Freiburger und westschweizer Unternehmen, Schweizer und internationaler Tourismus, Medien und Verkehrsbetriebe.

André Margot meint, dass das Fest durch seine historische Verwurzelung gepaart mit moderner Prägung ein Magnet ist, das Leute aller Gattung, Männer, Frauen jeder Generation und jeglicher Herkunft, anzieht und sie anregt,  mitzumachen und dabeizusein. Schliesslich geht es dann wieder  zwanzig Jahre, das Erlebnis zu wiederholen. Es ist wie eine Ode an die Erde, an die Heimat, an eine lebendige Tradition, die den Menschen an seine Wurzeln erinnert.

Quellen: Vortrag von André Margot bei der Alliance française, Bern
Le Magazine de la Fête des Vignerons 2019

Tickets-Verkauf und weitere Infos:

https://www.fetedesvignerons.ch/de/

Bilder aus der Pressemappe