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21.11.2016 -- Bernhard Schindler / wv

Principiae «de Principe»*) di Niccolo Machiavelli**)

Niccolo Machiavelli war nicht in erster Linie ein «Machiavellist», sondern Oekonom und Politiker


Wer die heutigen Medien verfolgt, kann sich jeden Tag neu über Filz und Nepotismus, über Korruption und Selbstbereicherung gewählter Honoratioren ärgern. Ein gewählter US-Präsident muss 25 Millionen Dollars zahlen, weil seine «Trump-Universität» Versprechungen an Studenten und dem Lehrkörper nicht einhielt. Die Freundin einer asiatischen Landespräsidentin hat kraft ihrer Beziehungen Grossfirmen und Institutionen zu Zahlungen an Hilfsfonds gezwungen, an  denen sie sich selbst bereicherte. Der muselmanische Präsident einer der Europäischen Union beizutreten  wollenden Nation verhaftet die gesamte Elite seines Landes, weil er befürchtet, sie stünden in Verbindung mit seinem Erzfeind und seien in den Staatsstreich gegen Erdogan verwickelt.

*) Prinzipien des Buches «Von den Prinzen» des Niccolo Machiavelli

**) Niccolo Machiavelli, 1449-1516 vergl. Auch Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Niccol%C3%B2_Machiavelli 

 

Cesare Borgia Duke of Valentinois

In der guten alten Zeit…

… hat es solche Skandale nicht gegeben. Oder zum mindesten wurden sie nicht bekannt. Einerseits berichteten die Medien nicht über Missstände im Staat, weil sich die Presseleute noch bis zur französischen Revolution sozusagen als Hofjournalisten verstanden. Und natürlich auch, weil niemandem gestattet wurde, den Skandalen der Königreiche und Republiken nachzuforschen. Was dem Staat nicht passte, wurde unter den Teppich gekehrt.

Selbstverständlich hat es die vielbesungene gute alte Zeit nie gegeben. Wo Politik gemacht wurde verhielten sich die Staatsdiener, wenn eine Pattsituation drohte, wie Säuhäfeli und Säudeckeli. Wer Geld verdienen musste, um zu leben, versuchte seine Kunden oder Lieferanten über den Tisch zu ziehen. Die Gerichte waren durchaus parteiisch, wer den besseren «Götti» besass, bekam Recht.

Staatswesen, die solide gebaut worden sind, vermögen Verschwörungen aufzudecken und die Feinde der Republik zu entmachten wie das beispielsweise noch zu Caesars Zeiten bei der kailinarischen Verschwörung 66 v. Chr. geschehen ist. Ist aber der Filz zu dicht, die Korruption gang und gäbe, der Nepotismus zu eng, dann ist keine Gerechtigkeit mehr zu erwarten.

Bild: Cesare Borgia als Herzog von Valentinois, unbekannter Maler, aus wikipedia.org/wiki/Niccolò_Machiavelli

 

 

 

 

Niccolò macchiavelli florenz foto Niccolo Machiavellis Pamphlet

Italien war zur Zeit der Renaissance, deren Kunstwerke und Bauten wir heute noch bewundern,  nicht nur das Land, in welchem Papst und die unzähligen Patrizier unbarmherzig ihre Macht vergrösserten. Es war auch die Hohe Zeit der schlimmsten Schurken des ausgehenden Mittelalters, welche sich um Städte und Pfründen, päpstliche Privilegien und weltliche Besitze prügelten. Damals schon auf dem Buckel des einfachen Volkes. Es gibt wohl keinen grösseren Flecken in Italien, der länger als 30-40 Jahre in Frieden leben durfte. Der legitime Sohn eines Borgia-Papstes herrschte als Fürst in Florenz. Hier verkehrten Michelangelo, Leonardo da Vinci, aber auch einfache Leute wie Niccolo Machiavelli, der als Stratege ein Volksheer gegen das befeindete Pisa führte und später nachweislich mit dem grossen Leonardo zusammenarbeitete. Mit ihm zusammen wollte Machiavelli den Arno in ein anderes Bett umleiten. Dadurch sollte Pisa von der Verbindung zum Meer abgeschnitten werden.

Machiavelli arbeitete unter den  Borgias und den Medicis. Seine Taten für die Republik Florenz gerieten in Vergessenheit; die Fürsten belohnten andere für seine Leistungen. Als Machiavelli daran Kritik übte, wurde er des Staatsdienstes enthoben. In diese Zeit fällt seine Arbeit an dem satirischen Buch «De Principe», in welchem er in schneidender Ironie die These, dass der Zweck die Mittel heilige, zur obersten Maxime der Fürsten erkor. Als nach Gutenberg der Buchdruck auch in Italien Einzug hielt, wurden Machiavellis Bücher, neben dem «Prinzen» auch die «Discorsi», in denen er die römische Republik verherrlichte, gedruckt, allerdings nach wenigen Jahren von der Kirche auf den Index gesetzt und verbrannt.

Bild: Niccolò Macchiavelli (Statue bei den Uffizien in Florenz), von Christopher Kaetz selbst fotografiert, Bild-frei

 

 

Raffael de MediciMachiavelli, der schonungslos das Gebaren der Machtmenschen beschrieb, galt bald selbst als «Machiavellist», weil man in ihm plötzlich den Erzieher der Fürsten vermutete. Natürlich betrachteten ihn die Vertreter der Macht als Verbreiter schlechter Nachrichten, die ja bekanntlich von den Herrschenden zuerst geköpft werden. Diese Haltung auch der Politiker des 20. Und 21. Jahrhunderts verunmöglicht heute noch seriösen Journalisten und Berichterstattern ein gefahrloses Leben im Elfenbeinturm. So lange Journalisten in etwa berichten, was die Mächtigen wünschen, leben sie relativ gesund, allerdings immer gewärtig, eines Tages wie eine heisse Kartoffel fallen gelassen zu werden.

Machiavelli war wohl der erste Berichterstatter, der «under cover» recherchierte. Nicht er hat die Fürsten gelehrt, wie man Völker unterdrückt, sondern er hat von ihnen das Handwerk gelernt, das noch heute gebräuchlich ist, wenn es auch angesichts einer weniger vertrauenswürdig gewordenen Öffentlichkeit verschleierter und geheimnisvoller zu geschehen hat als vor Machiavelli.

 

Bild: Porträt des Papstes Leo X. mit den Kardinälen Giulio de’ Medici, dem späteren Clemens VII. und Luigi de’ Rossi, Gemälde von Raffael, um 1518–1519, Florenz, Uffizien

Gemeinfrei, via wikipedia.org/wiki/Niccolò_Machiavelli

 

Titelbild: Portrait of Niccolò Machiavelli, Santi di Tito [Public domain], via wikipedia.org/wiki/Niccolò_Machiavelli