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23.07.2016 -- Bernhard Schindler / wv

Gibt es überhaupt noch Sicherheit?

München hat gezeigt, wie unsicher die Welt ist. Was können wir dagegen unternehmen?


Einem 18jährigen verbitterten Deutsch-Iraner ist es gelungen, eine Millionenstadt ins Chaos zu stürzen. Noch wissen wir nicht, was hinter dem Amoklauf steckt, wir kennen das Motiv nicht und auch den Täter nur ganz flüchtig. War er tatsächlich allein? Steckt nicht doch eine Terrororganisation hinter dem  Wahnsinnigen, der 10 unschuldige Menschen ausgelöscht, über 20 zum Teil schwer verletzt hat und schliesslich sich selber richtete?

 

2011 -2015 - 2016

Und das fast am Jahrestag eines anderen Verbrechens, als 2011 in Oslo und auf einer hauptsächlich von Jugendlichen besuchten Insel ein geistig abnormaler und Nazi-Fanatiker ein Blutbad anrichtete, weil er die sozialistische Jugend und die seit Jahrzehnten herrschende Sozialdemokratische Partei Norwegens hasste und ein Exempel statuieren wollte: Für mehr Fremdenhass, für eine konservative Regierung mit Neigung zum grossen, starken Führer.

Ob nun in Paris Karikaturisten einer Satirezeitung mit ihrem Leben dafür zahlen müssen, dass sie die Pressefreiheit bis zur Grenze ausreizen, ob nun Franzosen mit muslimischem Hintergrund Hunderte von fröhlichen Freizeitmenschen massakrieren, ob  ein junger Mann in einem Fahrzeug des öffentlichen Verkehrs in Würzburg mit der Axt auf Fahrgäste losgeht und viele verletzt – ob in den USA der Rassenhass wegen einiger rechtsgerichteter Polizisten wieder aufflammt, ob der sogenannte «Putsch» in der Türkei, der dem Präsidenten Erdogan die willkommene Ursache für seine gewalttätige Rache liefert – immer wird die Freiheit von unbescholtenen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern eine Spur mehr eingeschränkt. Auch in der Schweiz werden Massnahmen erwogen und beschlossen, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären: Wie sind wir stolz auf unsere Freiheiten und die Menschenrechte – wie verteidigen wir Glaubens-, Presse- und Redefreiheit.

Und das soll jetzt alles wegen der steigenden Unsicherheit und der Angst der meisten Bürgerinnen und Bürger vor der nächsten Katastrophe, dem nächsten Anschlag auf Leib und Leben leichtfertig aufgegeben werden? Ich höre sie schon, jene die behaupten, wer nichts zu verbergen habe, brauche auch keine Angst vor neuen Überwachungsmethoden zu haben. Wie aber, wenn wir plötzlich verdächtigt werden, wie jene drei offenbar zunächst Flüchtenden, welche die Münchner Polizei während Stunden  als Komplizen des Täters suchte und schliesslich laufen lassen musste, weil sie überzeugende Alibis vorlegen konnten?

Natürlich müssen wir alle immer vorsichtiger sein.

Keiner kann wissen, wo der nächste Terroranschlag passieren wird. Das Ziel von Terroristen  vom Altertum bis zur Neuzeit ist immer die Vernichtung akzeptabler Zustände. Wer mit sich und der Welt zufrieden ist, neigt nicht zu Gewalttaten. Aber je mehr Repression eine Regierung einsetzen muss, um Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten, desto mehr werden die Freiheiten auch ehrlicher und ungefährlicher Bürger eingeschränkt.

 

Was aber können wir tun?

In erster Linie dürfen wir nicht die Methoden der Gegner von Recht und Freiheit nachahmen. Streit mit einem Muslim oder irgend einem andern Ausländer anzufangen, kann für beide und wohl auch für mögliche Zuschauer gefährlich sein und blutig enden. Vielmehr sollten wir Menschen mit einem anderen kulturellen und gesellschaftlichen Hintergrund zu verstehen versuchen, auf sie zugehen, mit ihren reden und vor allem, Ihnen zuhören. Das Problem unserer Zeit ist, dass jeder etwas zu sagen hat, aber die wenigsten bereit sind, den Argumenten seiner Gegner zuzuhören.

Einen wahrhaft kühlen Kopf bewahrt

marcus-da-gloria-martinsDer schwarze Freitag von  München hat einen Helden geschaffen, den Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins, selber wohl auch ein Mensch mit Migrationshintergrund. Während der ganzen Zeit, als Politiker nicht wussten wie sie auf das Münchner Chaos reagieren sollten, während sich die Gerüchte jagten, von Schiessereien auch am Hauptbahnhof die Rede war – als unzählige zufällig Betroffene in Panik umher rannten, hat der Sprecher der Münchner Polizei klaren Kopf behalten, seinen Informationsauftrag gegenüber ungeduldigen Journalisten, die «Facts» haben wollten, vorbildlich erfüllt.

Unsere Welt ist unsicher geworden, wenn wir in verbale Hektik und physischer Gewalt meinen uns schützen zu können, irren wir uns sehr. Umso mehr brauchen wir jetzt Menschen, deren Menschen-verstand weiter gesund funktioniert, brauchen wir Politiker, die uns die Wahrheit sagen , Zeitungsleute, die nicht in  Panik verfallen und ihre Zeitungsartikel mit Sensationen aufpeppen, die nicht das gedruckte Papier wert sind. Die Gesetze, Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten, haben wir, wir müssen sie nutzen. Aber wir dürfen nicht in Panik geraten. Als in London Hitlers Bombenterror unzählige Häuser in Schutt und Asche riss, blieben die Briten ruhig. "Wenn eine Bombe auf London fällt, warum soll sie ausgerechnet mein Quartier zerstören? Wenn sie in unserer Nähe fällt, dann bleiben wir immerhin verschont." – Mit dieser unerschrockenen Haltung haben die Engländer zusammen mit den Alliierten das Deutsche Reich des GröFaz (grösster Führer aller Zeiten) besiegt.

Wir brauchen Meinungsbildner, Politiker, Lehrer, Journalisten wie Marcus da Gloria Martins!