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03.02.2018 -- Erwin Weigand / wv

3. Februar, Sankt Blasius

Spuren des Heiligen finden sich im Emmental! Ein Essay zum Namenstag.


 

Wer wird da gefeiert fragt man sich. Es ist der Gedenktag des heiligen Blasius von Sebaste, Bischof von Sebaste, dem heutigen Sivas in der damals römischen Provinz Kleinanatolien. Er starb im Jahr 316 als Märtyrer für seinen Glauben.

Blasius 1St.Blasius Vierzehnheiligen

Sankt Blasius von Sebaste, einer der vierzehn Nothelfer

Zahlreiche Legenden ranken sich um sein Leben und Martyrium. Er habe während seiner Gefangenschaft einen jungen Mann dem eine Fischgräte im Hals stecken geblieben war vom Ersticken gerettet. Als man ihn in einem See ertränken wollte, habe er das Wasser durch Gebet für sich zu festem Boden werden lassen, seine Peiniger ertranken jedoch. Er wurde mit Striegeln und Wollkämmen gefoltert und schliesslich enthauptet. Blasius ist einer der vierzehn Nothelfer und wird zum Schutz vor Halsweh und Zahnschmerzen angerufen, ausserdem ist er Patron für wilde Tiere, Ärzte, Weber und Hutmacher. In der katholischen Kirche war und ist es stellenweise noch der Brauch den Blasiussegen mit zwei gekreuzten Kerzen zu erteilen. Soll gegen Halskrankheiten helfen. Vielfach wird der Segen am 2. Februar an Lichtmess, dem Fest der Erscheinung des Herrn gegeben. Dabei werden traditionell auch die Kerzen für liturgischen- und Hausgebrauch geweiht. Das ist übrigens der Termin an dem definitiv alle Weihnachtsbeleuchtungen verschwunden sein müssten.

Blasius 2Dom zu St Basien

Dom zu St.Blasien
Kupferstich, gemeinfrei aus Wikimedia Commons

St. Blasius, obwohl schon sehr lange tot, ist auch hierzulande noch präsent. Teile seiner Reliquien gelangten um 900 ins Kloster Rheinau und von dort ins Schwarzwälder Alptal. Es entstand in der Folge das Kloster Sankt Blasien. Von da aus wurden die Benediktiner-Mönche in Schweizer Klöster berufen, nach Einsiedeln, Muri AG, St. Johann Toggenburg, St. Johannsen Erlach und Saint Blaise NE, das noch heute den Heiligen, mit seinem Attribut dem Wollkamm, im Wappen trägt.

Blasius 3Wappen S blaise

Wappen von St. Blaise NE
gemeinfrei aus Wikimedia Commons

Ins Bernbiet kamen die ersten Mönche aus St. Blasien ins längst verschwundene Kloster Trub. Dort wird man in dem alten Kirchlein vergeblich nach Blasiusbildern suchen, wie auch in den Kirchen und Kapellen in den von Truber Mönchen betreuten Gebieten. Einzig in Rüegsau, genauer in Rüegsbach gibt es noch eine St. Blasiuskapelle.

Wir haben sie letzten Sonntag am Nachmittag besucht. Ich hatte mich vorher über die Beziehungen der diversen Landkirchen im Emmental eingelesen. In Rüegsau bestand seit 1274 ein Benediktinerinnen-Frauenkloster. Es stand unter dem geistlichen Schutz des Truber Abts. Nach der Reformation wurde das Kloster aufgehoben und die letzten fünf Nonnen verliessen mit je 200 Pfund entschädigt das Kloster. Dafür musste nun Bern als neuer Besitzer die Pfarrherren von Lützelflüh und Rüegsau besolden. Die Klosterkirche von Rügsau wurde abgebrochen und neu gebaut; aus dem Konvent entstand nach Umbauten das Pfarrhaus.

Blasius 4Kirche und Pfarrhaus Ruegsau

Kirche und Pfarrhaus Rüegsau

Das Innere der Kirche zeigt sich in protestantischer Nüchternheit. Die neuzeitliche Ausstattung wirkt jedoch durch die farbigen Fenster des Könizer Künstlers Walter Loosli bunt und freundlich.

Die drei Chorfenster stellen Karfreitag, Ostern und Pfingsten dar, die sieben Fenster im Schiff thematisieren die sieben Schöpfungstage.

Blasius 5Ruegsau Chor

Rüegsau Chor

Zur Gemeinde Rüegsau gehören die Dörfer Rüegsauschachen, Rüegsau, Rüegsbach und Bachhaus, welche alle am Rüegsbach liegen und diverse Gehöfte und Weiler auf den umliegenden Hügeln. Nun fahren wir aber weiter nach Rüegsbach. Auf einem steilen Fussweg oder einem ebenso steilen Fahrsträsschen gelangt man ins Oberdorf zur alten Blasiuskapelle.

Blasius 6Ruegsbach Blasius Kapelle

Rüegsbach Blasiuskapelle

Auf dem Friedhof finden seit Urzeiten die verstorbenen Rüegsbacher ihre ewige Ruhe. Jetzt sind allerdings nur noch Urnenbestattungen erlaubt weil der lehmige Untergrund die Leichname zu lange konserviert, Erdbestattungen gibt es nur noch in Rüegsau.

Blasius 7Ruegsbach Vorschaermen

Vorschärmen

Die Kapelle wirkt von aussen gut erhalten und gepflegt. Holzschindeln decken sowohl Turmhelm, Kirchendach und Vorschärmen vor Wetter und Schnee.

Unter dem romanischen Chorbogen steht ein schlichter Taufstein, seitwärts eine steinerne Kanzel und gegenüber eine einfache Orgel. Die beiden Aussentreppen unter dem Vorschärmen führen auf die Empore.

Blasius 8Ruegsbach Empore

Empore

Zufällig haben wir dort die Sigristin, Frau Leuenberger, getroffen. Sie war im Begriff den Glockenschlag der Turmuhr zu richten. Freundlicherweise ermöglichte sie uns den Zugang zum Dachboden und erklärte uns die Funktion der alten Uhr. Dabei konnte ich noch eine weitere Treppe zur Glockenstube erklimmen. Eigentlich wären dort nur Vögel und Fledermäuse zu Hause, aber die beiden Glocken aus dem 12. und 13. Jh. gehören zu den ältesten der Schweiz und deshalb lohnt sich auch ein wenig Mühe. Sie haben einen warmen, heimeligen Klang wie wir feststellen konnten.

Blasius 9Turmuhrgehaeuse

Turmuhrgehäuse mit Schwerkraftantrieb

Blasius 10Ruegsbach Glocken

Glocken

Bevor Frau Leuenberger ihr Amt übernahm, musste ihr Vorgänger noch die Glocken von Hand läuten, vom Dachboden aus, sechzig Jahre lang hat er das treu getan. Jetzt geht das elektrisch.

Den Vorfrühlingstag Ende Januar im Emmental darf man nicht ohne eine, wenigstens kurze, Wanderung abschliessen.

Blasius 11Ruegsbach Baumallee

Baumallee mit Kapelle

Blasius 12Gegenlicht ueber Emmental

Gegenlicht über dem Emmental bei Hasle-Rüegsau

Wir sind gleich von der Kapelle aus auf den nächsten Hügel gestiegen und haben uns die Augen mit Licht und Freude gefüllt.

Übrige Bilder vom Autor Erwin Weigand